German Danish English French Italian Norwegian Polish Russian Spanish Swedish

kommode 1 kl

Wie immer auf der Suche nach schönen und exklusiven antiken Möbeln, ist es mir eine große Freude, Ihnen wieder ein ganz besonderes Stück präsentieren zu dürfen: Die hier vorgestellte höfische Kommode stammt aus der Werkstatt des berühmten Pariser Ebenisten François Linke.

schloss linke klDie Prunkkommode stammt aus der Epoche des Historismus. Der Historismus orientierte sich, wie der Name sagt, in seiner Formensprache an historischen Stilen früherer Jahrhunderte. Besonders die Stile des Rokoko und des Louis XVI waren dabei besonders beliebt.

Durch die starke Nachfrage entstanden einige wenige Werkstätten die darauf spezialisiert waren, für eine exklusive Klientel höchstklassige Möbel nach Kundenwunsch anzufertigen. Der berühmteste französischen Kunsttischler in dieser Zeit war François Linke. Seine exklusiven Stücke werden bis zum sechsstelligen Eurobereich gehandelt.

Diese herrschaftliche Kommode ist ein Entwurf aus der Zeit des Louis XVI. Sie entstand nach einem von Joseph Stöckel (Kunsttischlermeister seit 1775) entworfenen und von Guillaume Bennemann (Kunsttischlermeister seit 1785) vollendeten königlichem Kommodenpaar für Schloss Compiègne in Paris um 1890. Das Paar stand später im Salon des Jeux (dt. Spielsalon) im Schloss Fontainebleau nahe Paris.

François Linke (1855-1946) wird als der bedeutendste Pariser Kunsttischler in der Zeit des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts angesehen.

Er wurde als Franz Linke, zweites von elf Kindern, in dem Dorf Deutsch Pankraz nahe Deutsch Gabel (heute: Jablonné v Podještědí, Tschechien) geboren. Sein Vater Albert arbeitete wie sein Onkel Martin als Steinmetz. Ab 1861 besuchte er die Schule im Dorf, das katholisch und deutschsprachig geprägt war. 1867, im Alter von zwölf Jahren, endete seine Schulzeit.

Franz Linke begann eine Ausbildung als Möbeltischler in einer Werkstatt im nahegelegenen Reichenberg. In dieser Zeit erlernte er auch die tschechische Sprache.

kommode 2 klWie Linkes erhaltenes Arbeits-Buch belegt, arbeitete er drei Monate lang in Prag und von Juli 1872 bis Oktober 1873 in Wien, wo damals eine Weltausstellung stattfand. Dort war er als Gehilfe in einer Möbeltischlerei, die der Innung angehörte, tätig. Durch die Wiener Innung erhielt Franz Linke die Einschreibung als Geselle. Von Wien aus wanderte er nach Budapest und kehrte 1875 wieder nach Böhmen zurück.

Nach der Freistellung vom Militärdienst verließ Linke Österreich-Ungarn und wanderte 1875 über die Sächsische Schweiz nach Dresden und von Kursachsen aus weiter über Weimar in Thüringen und über Oberhessen und Rheinhessen bis nach Mainz. Ende 1875 verließ er Deutschland und wanderte weiter nach Paris, das er als Einundzwanzigjähriger zum Jahreswechsel 1875 erreichte. Es wird vermutet, dass Linke seine erste Anstellung bei dem aus Deutschland stammenden Kunsttischler Joseph-Emmanuel Zwiener war. Zwiener war Meister und verfügte im Gegensatz zu dem angekommenen Linke über eine Werkstatt und das notwendige Werkzeug.

kommode 3 klDurch die sechsmonatige Befristung des Reisepasses für als „Fremdgeschriebe“ bezeichnete Ausländer bis zum Alter von 23 Jahren war auch Franz Linke gezwungen, sich wieder in Deutsch Gabel polizeilich zu melden. Linke kam dieser Verpflichtung jeweils Ende 1876, Mitte und Ende 1877 nach. Ab 1877 arbeitete er wieder in Reichenberg bei seinem alten Lehrmeister, dem Möbeltischler Franz Neumann. Er fertigte im Alter von 22 Jahren, während der zehn Monate in Reichenberg, sein Meisterstück, war aber damit noch kein Meister der Innung. Bereits im Oktober 1877 erreichte er Paris. Es scheint, dass Linke während der vorangegangenen Aufenthalte bereits seine Entscheidung getroffen hatte, dauerhaft in einer der rund 900 Pariser Werkstätten zu arbeiten und als Migrant in Frankreich zu bleiben. In Paris besuchte er die dritte Weltausstellung 1878.

1881 eröffnete Linke in der Rue du Faubourg-Saint-Antoine 170 eine eigene Werkstatt, die er bis zu seinem Tod leitete. Die Rue de Faubourg Saint-Antoine war seit dem 18. Jahrhundert das Zentrum der Pariser Kunstschreinerei. Am 19. Mai 1881 heiratete Linke Julie Teutsch, mit der er vier Kinder hatte.

1889 erlangte er ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht in Frankreich und fünf Jahre später erwarb er die französische Staatsbürgerschaft. In der Anfangszeit stellte Linke Möbel für etabliertere Produzenten, wie Jansen und Krieger, her.

kommode 4 klMit der Verleihung einer Goldmedaille für ein Grand Bureau (also einen Schreibtisch) während der Weltausstellung von Paris im Jahr 1900 etablierte er sich definitiv als einer der führenden Ebenisten seiner Epoche. Er gründete 1903 einen Schauraum an der Place de Vendôme und erlebte einen bis zum Zweiten Weltkrieg anhaltenden Erfolg. 1906 wurde er von Frankreich zum Chevalier de l’Ordre de la Légion d’Honneur erhoben.

Auch nach der Jahrhundertwende nutzte Linke internationale Messen, um für seine Werkstatt neue Märkte zu erschließen. So beteiligte er sich 1904 an der Weltausstellung in St. Louis und 1908 an der französisch-britischen Ausstellung in London. Das Stilspektrum der von ihm entworfenen Möbel reicht von Régence über Rokoko bis zu Louis XVI, doch adaptierte er seine Vorbilder dem Geschmack seiner Zeit. Typisch für Linkes Werkstatt sind auch die vergoldeten Bronzebeschläge in der Tradition von André-Charles Boulle oder Charles Cressent. Nach Linkes Tod wurde seine Werkstatt von seinem früheren Mitarbeiter Jean Bieder weitergeführt.

 

Antik Hense freut sich, dieses besondere Möbel anzubieten – die herausragende Historie kann somit durch den zukünftigen Besitzer fortgeschrieben werden.

Kommode DL-KOM723